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„Leinwandbegegnungen”

Mit der Filmreihe „Leinwandbegegnungen“ finden auf und vor der Leinwand interkulturelle Begegnungen statt.

„Fischköpfe“, „Bambusratten“ oder „Verdammte Schlitzaugen“ – so hört sich interkulturelle Verständigung bei „Gran Torino“- Filmcharakter Walt Kowalski auf der Leinwand an. Vor der Leinwand sieht das – Gott sei Dank – ganz anders aus: unbekannte Menschen begegnen sich mit Offenheit und kommen ins Gespräch. Die Filmreihe „Leinwandbegegnungen“ verwandelt den Kinosaal des Cinemas Münster einmal im Monat zu einem Ort der interkulturellen Begegnung.

Bereits 2016 initiierte das Cinema Münster mit den damaligen Bündnispartnern „Welcome Münster e.V.“, „Linse e.V.“ sowie Freiwilligen der Erstaufnahmeeinrichtung Gutenberg Wache die Filmreihe im Rahmen der vom Bund geförderten Aktion „Kino verbindet“. 2017 zeigt „Leinwandbegegnungen“ dann den ersten Film. Zielgruppe von „Kino verbindet“ sind zunächst Geflüchtete zwischen 18 und 26 Jahren. Doch das kulturell kunterbunte Team um Projektkoordinatorin Nora Meyer wünscht sich von Anfang an ein offenes Programm für Münsteraner*innen mit und ohne Fluchtgeschichte. Und dieses Projektkonzept hat sich seitdem bewährt, denn die Filmreihe läuft bis heute erfolgreich weiter. Nachdem die Förderung Ende 2017 ausläuft, übernimmt der Verein „Linse e.V.“ seit Anfang 2018 die finanzielle Unterstützung des Begegnungsprojekts.

Ein Teil des Teams um Nora Meyer (in der Mitte in rot) wartet an der Kasse auf die Besucher*innen des Abends

Im Kino findet Begegnung statt.”

Obwohl der Ablauf des Abends einer gewissen Tradition folgt, ist doch jeder Abend der Filmreihe verschieden, denn die breitgefächerte Filmauswahl durch das Team bringt auch eine Vielfalt unterschiedlichster Besucher*innen zusammen. Der Austausch des bunten Publikums soll bereits vor Filmbeginn in Gang gebracht werden. Indem die Sitzplätze per Zufall verteilt werden, startet die muntere Vermischung der Zuschauer*innen schon im Kinosaal. Zu der Kinokarte bekommt jeder Gast außerdem einen kleinen Papierschnipsel mit einer Frage, die vor dem Film mit dem Sitznachbarn oder der Sitznachbarin diskutiert werden soll. Bevor der Streifen des Abends über die Leinwand flackert, erfolgt außerdem stets eine kurze Einführung durch das Team. Vor „Gran Torino“ führt Ahmad aus Paderborn, der sich seit Kurzem für die Filmreihe engagiert, in den Abend ein und berichtet mit viel Witz von seinen Erfahrungen mit Verständnisschwierigkeiten und Vorurteilen.

Der große Kinosaal des Cinemas füllt sich langsam

Mit dem Filmende endet jedoch nicht der Abend. Im „Neben*an“, einer Räumlichkeit direkt neben dem Cinema, treffen sich die Besucher*innen. Der gemeinsam geschaute Film soll als Anknüpfungspunkt für leichteres Kennenlernen, weitere Begegnung und angeregte Gespräche dienen. Dazu bereitet das Team jedes Mal methodisch etwas vor, wodurch der Film und seine Thematik in der Gruppe aufgearbeitet werden sollen. Danach laden leckere Getränke und ein liebevoll zubereitetes Speisen-Buffet zu einem gemütlichen Ausklang des Abends und zur Vertiefung der Gespräche ein.

Sich fremde Menschen diskutieren angeregt über den gesehenen Film
Bei kühlen Getränken und leckeren Speisen findet der Abend einen gemütlichen Ausklang

Zu Beginn des Projekts und aufgrund der Bindung an die Aktion „Kino verbindet“ stellten besonders Geflüchtete zunächst die dominante Zielgruppe dar. Doch „Leute, die seit zwei oder drei Jahren hier sind, wollen auch nicht immer Geflüchtete sein, sondern halt einfach Menschen, die hierher kommen und Lust haben auf Film und Lust haben, anderen Menschen zu begegnen und sich auszutauschen“, lehnt Nora Meyer die Stigmatisierung Geflüchteter ab. Daher versucht das Team von „Leinwandbegegnungen“ zukünftig Themenschwerpunkte für die regelmäßig stattfindenden Filmvorführungen zu finden. So soll beim nächsten Filmabend am 18. Februar mit dem Film „In meinem Kopf ein Universum“ beispielsweise das Thema Inklusion in den Fokus gerückt werden.

Eine weitere finanzielle Förderung durch beantragte Projektgelder von der Stadt Münster möchte die Projektgruppe so einsetzen, „dass man die Plattform und die Stammkundschaft, die wir im Grunde haben, auch dazu nutzen kann, vielleicht mal Ausflüge zu machen“, wünscht sich Nora Meyer. Und auch neue Teammitglieder sind dem Begegnungsprojekt immer eine Freude: „Treffen ist immer einmal im Monat. Meistens am ersten Montag im Monat, um noch einmal zu planen. Dort ist jeder herzlich willkommen“, wirbt Nora Meyer für die Filmreihe.

Mareike Gockel

Mareike Gockel

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