Ostviertel-Stadtteilmagazin

Viertelgespräch am Markt

Mittwoch ist Markttag – auch im Ostviertel. Wir treffen Marktbesucher*innen, die alle ihre eigene Geschichte zu erzählen haben.

Rolf Eickholt, Marktbesucher: Mein Name ist Rolf Eickholt, ich wohne in Münster-Gremmendorf. Ich bin hier in der Alkuinstraße, früher Nikolausstraße, groß geworden.

Als Sie hier im Viertel gelebt haben, was haben Sie da besonders geschätzt?

Eickholt: Dass jeder jeden kennt, in Klein-Muffi. Ich bin ein alter Muffikaner, ich hab hier 33 Jahre gewohnt. Mein Elternhaus steht hier noch, da wohnt meine Tochter jetzt drin.

Sie wohnen jetzt in Gremmendorf, aber kommen immer noch hierher zum Markt. Warum?

Eickholt: Ja, jeden Mittwoch und jeden Samstag. Dann besuche ich auch meine Enkelkinder.

Was bedeutet der Markt für Sie?

Eickholt: Ich kaufe hier schon in der vierten Generation – meine Großmutter, meine Mutter, ich und jetzt auch meine Tochter kaufen hier ein. Außerdem gibt es hier eine gute Beratung. Im Supermarkt ist es so anonym.

Was verbinden sie mit dem Viertel?

Eickholt: Die alten Muffikaner, die kenne ich ja noch. Zum Beispiel er hier (grüßt anderen Marktbesucher), er ist ein paar Jahre älter als ich. Aber sonst wohnen hier ja jetzt auch viele neue Leute. Früher gab es hier noch viele Kneipen. Da stand der Malocher neben dem Angestellten neben dem Studenten. Vieles verändert sich hier. Das, was bleibt, ist er hier (verweist auf Marktverkäufer). Meine Oma hat immer schon gesagt: „Geh nach Roer, die bescheißen dich nicht.“ So war das.

Wir sind der kleinste Markt in Münster.

 

Michael Roer, Marktverkäufer: Ja, wir haben auch schon die Generationen gewechselt. (lacht) Wir führen den Betrieb jetzt in der dritten Generation. Oma ist angefangen, die ist mit dem Fahrrad hier hingefahren. Mit fünf Kindern und einem toten Mann hat sie es auf jeden Fall schwer gehabt. Als mein Vater aus dem Krieg zurückgekommen ist, hat er den Betrieb übernommen. Dann ging es weiter mit Pferd und Kutsche. Das Pferd kam hier gegenüber in den Hinterhof von der Kneipe, bekam Wasser und Heu, und mittags ging es wieder zurück. Dann kamen irgendwann der Trecker und jetzt das Auto. Damals gab es aber nicht die Auswahl wie jetzt. Nur Saison-Gemüse, was es auf dem Acker eben gab.

Und wo ist Ihr Hof?

Eickolt: Du bist doch in Alverskirchen. Der erste Bauer links hinter Wolbeck.

Roer: Ja, genau.

Sind Sie auch noch auf anderen Märkten unterwegs?

Roer: Ne, nur hier. Auf dem kleinsten Markt in Münster.

Wer ist Ihre Kundschaft?

Roer: Viele Leute, die hier schon Jahre im Viertel wohnen, aber auch ein paar Jüngere. Manchen älteren Leuten, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, den bringen wir die Einkäufe auch nach Hause. Die rufen dann vorher an und bestellen, was sie brauchen. Da spürt man auch schon eine gewisse Verpflichtung den Leuten gegenüber.

Eine von den Jüngeren treffen wir kurz darauf.

Wann sind sie denn hierher gezogen?

Heike Kraßort, Marktbesucherin mit Kind: Wir wohnen seit Frühjahr 2016 hier.

Warum gehen Sie hier auf dem Markt einkaufen?

Kraßort: Wir wohnen hier vorne direkt in dem Haus, und dann bietet sich das an, vor allem mit der Kleinen.

Und was schätzen Sie hier am Viertel?

Kraßort: Die bunte Mischung- hier wohnen noch Leute, die wirklich viele Jahre schon hier leben, Zugezogene, viele Familien, viele Kinder. Das ist für uns natürlich super mit der Kleinen. Wir können uns auch gar nicht mehr vorstellen, hier wegzugehen.

Gehen Sie regelmäßig hier zum Markt?

Kraßort: Ja, jeden Mittwoch und jeden Samstag. Die Kleine weiß mittlerweile auch schon, wann es losgeht.

Treffen Sie dann auch Leute hier?

Kraßort: Ja, wir treffen uns hier zum Beispiel regelmäßig (lacht mit einer anderen Marktbesucherin, die ebenfalls mit ihrem Kind da ist). Das sind schon die gleichen Gesichter, die man hier sieht. Später, auf dem Spielplatz, sieht man sich dann wieder.

Roer: Ich seh‘ da gerade auch noch einen, das ist auch so ein Originaler. Fragen Sie mal den!

Wir verabschieden uns und treffen daraufhin Herrn Sommer.

Herr Sommer, Marktbesucher: Ich bin hier seit 1955. Ich hab in der Stadtmitte gelernt. 1962 hab ich mich dann hier selbstständig gemacht, ich hatte eine Fleischerei. 30 Jahre habe ich die geführt und auch ausgebildet. 1992 bin ich dann in den Ruhestand gegangen.

Und heute gehen Sie hier zum Markt.

Sommer: Ja, ich geh meinen Kollegen besuchen. (Lacht) Der Thomas (von der Metzgerei Frahling, J.K.) macht das Rennen jetzt hier. Meine Metzgerei war an der Ottostraße 5, da wo der Kindergarten ist. Aber aus dem Laden habe ich jetzt ein Wohnzimmer gemacht.

Was bedeutet das Viertel für Sie?

Sommer: Verbundenheit. Ich hatte ja 30 Jahre das Geschäft und auch viele Stammkunden. Man kennt einfach jeden. Ich geh durch die Straßen, man grüßt sich. Das war eine schöne Zeit.

Wir gehen zum Metzger Frahling.

Sommer: Das ist Frahling, aus Laer. Hinter Altenberge.

 

Der persönliche Kontakt wird hier ganz groß geschrieben.

Wie lange sind Sie denn schon auf dem Markt dabei?

Thomas Frahling, Marktverkäufer: 3 ½ Jahre. Ich wollte eigentlich auf einen großen Markt, aber hab irgendwann auch nach anderen Märkten geguckt. Der Markt hier ist gut besucht, deswegen habe ich das hier ausprobiert und bin geblieben.

Wie war das, hier neu hinzukommen?

Frahling: Mit Qualität kann man trumpfen, wir machen alles selber. Von daher wurden wir hier gut aufgenommen.

Sommer: Ja, hier gibt es ständig Zuwachs, das muss ich sagen. Ich beobachte das. Er macht das gut.

Frahling: Ja, Herr Sommer, wenn Sie das sagen, dann stimmt das wohl. (Lacht) Herr Sommer ist meine beste Werbung. (Lacht) Es kommen viele Stammkunden, ein paar junge Familien und auch Studenten kommen her. Das hat man auf anderen Märkten nicht so.

Sommer: Hier zählt das Vertrauen. Der persönliche Kontakt wird einfach ganz groß geschrieben hier. Ehrlich.

Wie lange gehen Sie hier schon auf den Markt, Herr Sommer?

Sommer: Schon lange. Wie früher Vater Roer noch da war, da stand die Milchkanne noch hinter dem Stand. Dann konnte man mit einer kleinen Kanne kommen. „Ich hab noch ein Huhn. Willst du das haben?“- so ging das dann los. Das haben die Roers gemacht hier.

Danach verabschieden wir uns wollen auch Herrn und Frau Roer noch Tschüss sagen. Auf dem Weg treffen wir mit Herrn Sommer noch einen Taxifahrer, der in der Pause seit 30 Jahren mittwochs und samstags hier einkaufen geht. Am Stand werden wir schließlich noch von einer Marktbesucherin angesprochen, die seit fast 70 Jahren hier lebt.

Elke Steinböhmer, Marktbesucherin: Was wollen Sie denn wissen? (Lacht)

Was ist das Besondere für Sie hier am Markt?

Steinböhmer: Man hat den Markt einfach hier vor der Tür, auch wenn man nicht mehr so gut laufen kann. Trifft Leute aus der Nachbarschaft, die man kennt- viele schon seit Kindsjahren.

Wir merken schnell, dass sich hier die meisten Marktbesucher*innen kennen, viele schon seit einigen Jahren und die kurzen Wege schätzen. Der Markt scheint neben seinen Lebensmitteln gerade deswegen unverzichtbar zu sein.  

Fotos: Jakob Töbelmann

Judith Kreuzberg

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