Ostviertel-Stadtteilmagazin

Zuhause ist, wo die Kunst ist

Ein gefüllter Saal erwartete Moderatorin Anina Pommerenke, als sie am Freitagabend die Bühne des Bennohauses betrat, um die Zuschauer im Saal zur neuen Ausgabe von „intercult grenzenlos“, dem interkulturellen TV-Format aus dem Bennohaus, zu begrüßen. Die TV-Show, gefilmt von MNSTR.medien, bot den Gästen Bushra Arnous, Uwe Hasenkox und Fouad Kayalie sowie Nora Meyer und Monther Al Balkhi die Chance, ihre Arbeit und Projekte, auch durch angefertigte Clips, vorzustellen.

Im Anschluss folgte eine Diskussion über einzelne Fragestellungen passend zum Motto: „Zuhause ist, wo die Kunst ist“. Die Besucher, die es sich in fast romantischer Atmosphäre bei Kerzenschein und Häppchen gemütlich gemacht hatten, empfingen Anina Pommerenke mit einem großen Applaus. Doch so romantisch die Situation auch schien und so harmonisch das Motto auch klang, die Fragen klangen ernster.

So war die zu Beginn aufgestellte These der Moderatorin „Kunst als interkulturelles Kommunikationsmittel, klappt das?“ Ausgangspunkt. Dazu wurde zunächst Bushra Arnous, eine junge syrische Künstlerin, die seit einigen Jahren in Münster lebt, auf die Bühne geholt. Gemeinsam schauten sich die Gäste ihren Weg in Deutschland im Videoclip an. Arnous machte darauf aufmerksam, dass sie sich mittlerweile nicht mehr als „Geflüchtete“ sehe, sondern sich bereits als Münsteranerin fühlt und appellierte, dass man ihr und allen anderen mit dem Wort Ausländer einen „Stempel auf die Stirn“ drücke. Damit betonte die Künstlerin das Problem der Stigmatisierung von Geflüchteten, dem „mit diesem Motto auch entgegengewirkt werden soll“, so die Leiterin des Bereichs Kulturmanagement, Daniela Elsner. Zurzeit engagiert sich Bushra Arnous viel politisch und verändert ihre Kunst dementsprechend. Davon zeugten auch mitgebrachte Kunstwerke.

Als nächstes traten Uwe Hasenkox und Fouad Kayalie ins Scheinwerferlicht und berichteten über ihr gemeinsames Projekt „Afrosessions + Art“, bei welchem der gebürtig aus Idlib stammende Bildhauer und Künstler Fouad Kayalie eine klassische und moderne Skulptur zu improvisierten Grooves von Uwe Hasenkox und seiner Formation erschuf. Sie machten auf positive Effekte sowie Schwierigkeiten dieses Projektes und das bereits seit über zehn Jahren bestehende allgemeine Projekt „Afrosession“ aufmerksam.

Als letztes ergänzten Nora Meyer und Monther Al Balkhi die Runde und erzählten von ihrem Projekt „Leinwandbegegnungen“ im Cinema. Dieses besteht seit 2017 und bringt Geflüchtete und Einheimische durch einen Kinofilm in den Austausch. Die beiden berichteten über ihr Konzept und über den bereits erzielten Erfolg des Projektes.

Von diesem Gespräch aus zog die Moderatorin eine gekonnte Überleitung in die Diskussionsrunde, bei der verschiedene Fragen aus unterschiedlichsten Sichten beantwortet wurden. „Ist es schwierig die Menschen zu erreichen?“ oder „Hat die Kunst geholfen Fuß zu fassen?“ waren einige davon. So konnte ein noch detaillierterer Blick auf die einzelnen Projekte geworfen werden. Zum Abschluss griff Anina Pommerenke das Motto des Abends noch einmal auf und fragte, ob Zuhause denn nun da sei, wo die Kunst ist. Dazu gab es geteilte Meinungen. Kunst sei ein guter Weg um Fuß zu fassen (Bushra Arnous), sie reise immer mit und ist da, wo man selber ist (Uwe Hasenkox) oder biete die Chance in seinem Projekt eine „kleine Familie“ zu finden (Monther Al Balkhi und Nora Meyer). Es sei aber auch schwierig, hier in Deutschland Kunst zu machen und alle dafür nötigen Auflagen zu erfüllen (Fouad Kayalie).

Zum gemütlichen Abschluss des Abends spielte die Formation „The Flex“, bestehend aus den Teilnehmenden Uwe und Fouad und zwei weiteren Formationsmitgliedern. Bei Gitarre, Darbuka, Jambe, Bass und Gesang stand die interkulturelle Formation symbolisch für den Abend. Die am Anfang aufgeworfene Frage „Kann Kunst als interkulturelles Kommunikationsmittel fungieren?“ konnte durch die Berichte der Teilnehmer beim Verlassen des Saales mit „Ja“ beantwortet werden.

“intercult” wird im Rahmen unseres Projekts “Aktion – Mein Stadtteil” gefördert vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat.

Ostviertel-Redaktion

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